Die Freie Presse - Sachsens größte Tageszeitung - berichtet über unserer Aktion "Über´n Zaun geguckt"

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Einen Tag wollte Ben Pfeifer mit seinem Team durch die Region fahren und Fotos über den Gartenzaun machen. Am Ende besuchte er um die 50 Familien an vier Tagen. Foto: Ben Pfeifer

Über'n Zaun geguckt: Aktion hält besondere Zeit in Bildern fest

Der Annaberger Fotograf Ben Pfeifer lichtet normalerweise Hochzeitspaare, frisch gebackene Eltern und ganze Familie in seinem Studio ab. Als das alles nicht mehr ging, schnappte er sich seine Kamera und schaute über den Gartenzaun der Erzgebirger.

Annaberg-Buchholz. Ein Großvater mit seinen Enkeln auf dem Bauernhof, eine Familie im Vorgarten, Kinder beim Spielen im Garten: Es sind idyllische Momente, die Ben Pfeifer eingefangen hat. Und die Schönheit der Bilder täuscht fast ein bisschen darüber hinweg, dass sie zu einer Zeit entstanden sind, die es so noch nie gegeben hat. Ausgangssperre, Kontaktverbot, geschlossene Geschäfte, Schulen und Kitas - ja, es war die Corona-Pandemie, die den Annaberger Fotografen zu einer besonderen Fotoaktion gebracht hat. Auch sein Fotostudio "Lichtecht" musste schließen. Hochzeiten, die er sonst mit seiner Kamera begleitet, wurden abgesagt. Schwangere konnten ihren Babybauch nicht für immer auf einem Bild von ihm festhalten lassen, Familien für ein Porträt nicht mehr zu ihm kommen.

 

Doch den Fotoapparat einfach wochenlang beiseite legen wollte Ben Pfeifer auch nicht. Also rief er über Facebook zu der Aktion "Über'n Zaun geguckt" auf. "Wir wollten den Leuten ein Lächeln entlocken", sagt der Fotograf. Innerhalb kürzester Zeit meldeten sich Erzgebirger, die mitmachen wollten. Es waren am Ende so viele, dass Ben Pfeifer mehrere Tage durch die Region reiste und an den unterschiedlichen Gartenzäunen Halt machte. "Normalerweise dauert ein Shooting mindestens eine bis eineinhalb Stunden. Doch bei der Aktion hatten wir nur zehn Minuten", erzählt Ben Pfeifer. Mehr als 50 Familien aus dem Erzgebirge besuchte das kleine Team. "Die meisten haben uns bereits am Gartenzaun empfangen." Von dort aus wurde in der Regel auch fotografiert. Denn natürlich wurde das Abstandsgebot eingehalten. Für Ben Pfeifer waren die Aufnahmen besonders. Zum einen erlebte er die Menschen in ihrer vertrauten Umgebung. Außerdem sei es toll gewesen, mit den Leuten in Kontakt zu kommen und schöne Fotos zu machen. Auch für ihn eine willkommene Abwechslung während des Lockdowns. Und wer weiß, vielleicht werden die Fotos eines Tages in einer Ausstellung präsentiert.

 

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Ben Pfeifer hatte die Idee zu dem Projekt. Die Resonanz war sehr groß. Und die Familien haben eine schöne Erinnerung an eine ungewöhnliche Zeit.
Für Jessi und Paddy brachte ein tierisches Familienmitglied Freude. Foto: Ben Pfeifer
Für Jessi und Paddy brachte ein tierisches Familienmitglied Freude. Foto: Ben Pfeifer

Mittlerweile ist das Studio wieder offen und trotzdem nicht alles wieder wie vorher. Viele Hochzeiten wurden verschoben, das macht sich auch bei Hochzeitsfotografen bemerkbar. "Normalerweise werden die Termine bereits ein Jahr im voraus gemacht." Und auch sonst spürt Pfeifer noch eine gewisse Zurückhaltung. "Auf altem Niveau sind wir noch nicht." Fotografie sei immer auch eine Dienstleistung am Menschen. Ohne Nähe gehe das nur schlecht, außer bei Projekten wie "Über'n Zaun geguckt". Da war die Distanz aber auch Teil des Konzepts - wenn auch notgedrungen.

Ben Pfeifer hat mit seiner Kamera einen Teil der Zwangspause festgehalten - und zwar den schönen Part. Denn die Bilder zeigen Menschen, die Zeit miteinander verbringen, sich nahe sind, Familie. Dennoch haben sich die meisten auch über ein kurzes Gespräch mit jemand von außen gefreut, der über den Zaun schaut.

 

Mehr Bilder von der Aktion "Über'n Gartenzaun geguckt" finden Sie auf der Facebookseite von Lichtecht. www.facebook.com/ FotostudioLichtechtAnnabergBuchholz

 

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